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Großstädte in Deutschland - Reutlingen

Reutlingen, das "Tor zur Schwäbischen Alb", ist die Kreisstadt und größte Stadt des Landkreises Reutlingen in Baden-Württemberg. Sie liegt im äußersten Nordwesten des Kreisgebietes. Nächst größere Städte sind Stuttgart, ca. 31 km nördlich und Ulm, ca. 57 km südöstlich von Reutlingen.

Die ehemalige Freie Reichsstadt und spätere württembergische Oberamts- bzw. Kreisstadt überschritt 1989 die Grenze von 100.000 Einwohnern und wurde damit zur bislang jüngsten der insgesamt 9 Großstädte Baden-Württembergs. Heute ist Reutlingen nach Stuttgart, Heilbronn und Ulm die viertgrößte Stadt Württembergs.

Geografie

Reutlingen liegt auf einer bis zu 12 m mächtigen, von Süden nach Norden geneigten Schotterterasse rechts der Echaz, in einen leichten Bogen des Flusses geschmiegt. Die leichten Anhöhen des mittleren Schwäbischen Alb-Vorlandes rings um die Stadt ragen links und rechts des Echaztales, durch die Achalm (707 m ü. NN) und den Georgenberg (602 m ü. NN) flankiert, bis auf 450 m ü. NN.

Reutlingen gehört mit dem näheren Umland zum südlichen Bereich des "Verdichtungsraums Stuttgart" (Umfang siehe unter Stuttgart). Innerhalb der Region Neckar-Alb bildet Reutlingen zusammen mit der westlichen Nachbarstadt Tübingen ein Oberzentrum, von denen im Rahmen des Landesentwicklungsplans 2002 des Landes Baden-Württemberg insgesamt 14 ausgewiesen sind. Für die Städte und Gemeinden Eningen unter Achalm, Lichtenstein, Pfullingen, Pliezhausen, Sonnenbühl, Walddorfhäslach und Wannweil übernimmt Reutlingen auch die Aufgaben des Mittelbereichs.

Geschichte

Die ehemals Freie Reichsstadt, seit 1180 verfügt Reutlingen über das Marktrecht, wird 1802, nach erbittertem Widerstand, Teil des späteren Königreichs Württemberg. Zum reichsstädtischen Gebiet gehören bis 1802 neben der eigentlichen Stadt Reutlingen auch die Dörfer Betzingen, Bronnweiler, Ohmenhausen, Wannweil, Stockach und Ziegelhausen. (Bis 1648 gehörte auch Gomaringen mit Hinterweiler zur Reichsstadt, doch wurden beide Orte seinerzeit an Württemberg verkauft). Nach 1802 wird Reutlingen Sitz eines württembergischen Oberamtes, die reichsstädtischen Dörfer werden zu selbständigen Gemeinden.

Bei der Revolution von 1848 ist Reutlingen als immer noch gedemütigte freie Stadt vorne dabei und sucht den Konflikt mit der württembergischen Obrigkeit.

Die Industrialisierung der Stadt kommt erst langsam in Gang, jedoch sehr intensiv nach Inbetriebnahme der Eisenbahnstrecke nach Plochingen 1859.

Nach der Machtübernahme 1933 wandelt sich Reutlingen schnell von einer sozialistisch geprägten Stadt in eine von den Nazis dominierten Stadt. In jener Zeit ändert sich auch einiges in der Verwaltung: Aus dem Oberamt Reutlingen geht 1934 der Landkreis Reutlingen hervor. Ein Jahr später scheidet die Stadt Reutlingen aus dem Landkreis Reutlingen aus und wird Stadtkreis. 1938 wird der Landkreis Reutlingen um einige Gemeinden des aufgelösten Landkreises Urach erweitert.

Am Ende der Nazi-Zeit wird Reutlingen im 2. Weltkrieg mit vier Luftangriffen schwer in Mitleidenschaft gezogen, rund 25 Prozent des Gebäudebestandes werden vernichtet.

1945 wird die Stadt wieder Teil des Landkreises Reutlingen und zur "unmittelbaren Kreisstadt" erklärt.

Seit Inkrafttreten der Gemeindeordnung des Bundeslandes Baden-Württemberg zum 1. April 1956 ist Reutlingen Große Kreisstadt.

Religionen

Nachdem bereits ab 1521 in Reutlingen die Reformation eingeführt wurde, blieb die Reichsstadt über Jahrhunderte eine protestantische Stadt. Das evangelische Bekenntnis war lange Zeit auch das Privileg, das Bürgerrecht der Stadt zu erwerben. Katholiken wurden allenfalls als Dienstboten geduldet. Nach dem Übergang an Württemberg 1802 wurde die Stadt Sitz eines Dekanats und 1824 einer Prälatur ("Sprengel" Reutlingen mit einem "Regionalbischof") der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Auch heute gehören alle Kirchengemeinden der Stadt Reutlingen, sofern sie nicht zu einer Freikirche gehören, zum Dekanat Reutlingen.

Im 19. Jahrhundert zogen auch wieder Katholiken in die Stadt, doch nahm deren Zahl nur sehr langsam zu. 1823 wurde die erste katholische Gemeinde gegründet. Um 1900 waren von den 21.000 Einwohnern nur 1.700 katholisch. Die Glieder der katholischen Gemeinden gehören heute zum Dekanat Reutlingen der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Vor der Reformation gehörten die Katholiken zum Bistum Konstanz.

Wappen

Das Wappen der Stadt Reutlingen zeigt in Gold den rot bezungten schwarzen Reichsadler belegt mit einem von Schwarz, Rot und Silber geteilten Brustschild. Die Stadtflagge ist Schwarz-Rot-Weiß.

Der Adler ist das Symbol der Reichsfreiheit, welche die Stadt Reutlingen bis 1803 genoss, bevor sie zum Herzogtum bzw. Königreich Württemberg kam. Der Reichsadler tauchte im 15. Jahrhundert auf einem schwarz-rot-silbernem Schildfuß auf. Später taucht ein zweifach geteilter Schild zwischen den Fängen des Adlers auf. Dieser wurde später teils alleine, teils mit Adler verwendet. Ab dem 17. Jahrhundert taucht der Schild meist als Brustschild auf. Die Stadtfarben wechselten mehrmals, doch sind die heutigen Farben inzwischen schon sehr lange gebräuchlich.

Wirtschaft und Infrastruktur

In Reutlingen sind bedeutende Unternehmen wie

  • Robert Bosch GmbH
  • Still Wagner GmbH & Co. KG Fördertechnik
  • Rieber GmbH & Co. KG, Hersteller von Produkten und Anlagen im Bereich Großküchen- und Haushaltstechnik
  • Stoll GmbH & Co. KG, Strickmaschinenhersteller
  • Wafios AG, Maschinen für die Drahtverarbeitung
  • Willi Betz GmbH & Co. KG, Europas größter Straßenspediteur

ansässig.

Verkehr

Reutlingen liegt zwar nicht direkt an einer Bundesautobahn, doch sind die Autobahnen A81 Stuttgart-Singen über Tübingen bzw. A8 Stuttgart-Ulm über Nürtingen ca. 30 km entfernt. Durch die Stadt führen die B 28 Tübingen-Ulm und die B 312 Stuttgart-Biberach-Memmingen. Ferner beginnt hier die B 464 nach Böblingen. Reutlingen liegt an der Bahnlinie Stuttgart-Tübingen (über Esslingen-Nürtingen-Metzingen). Den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) im Stadtgebiet bedienen Busse der Reutlinger Stadtverkehrsgesellschaft mbH (RSV) und verschiedene andere Verkehrsunternehmen. Alle Linien sind zu einheitlichen Preisen innerhalb des Verkehrsverbund Neckar-Alb-Donau (naldo) nutzbar. Reutlingen befindet sich in Wabe 220.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Theater

  • Theater in der Tonne (Wilhelmstraße 69)
  • Naturtheater Reutlingen (Gewann Mark 3)
  • Kleinkunstbühne Rappen (Obere Gerberstraße 6)
  • Cafe Nepomuk
  • Kulturbühne Foyer U3

Museen

  • Heimatmuseum Reutlingen, gegründet 1890
  • Naturkundemuseum Reutlingen
  • Städtische Galerie Reutlingen
  • Städtisches Kunstmuseum im Spendhaus
  • Samenhandelsmuseum in Reutlingen-Gönningen
  • Feuerwehrmuseum (Planie 22)
  • Heimatstube Reutlingen-Ohmenhausen (Auf der Lind 1)
  • Heimatstube Reutlingen-Reicheneck (Alte Dorfstraße 25)
  • Museum Im Dorf Reutlingen-Betzingen
  • Industriemuseum in der alten Feuerwache (in Planung)

Galerien

  • Galerie am Ledergraben (Lederstraße 98)
  • Galerie Haus Geiselhart (Gartenstraße 5)
  • Kanzlei im Dominohaus (Am Echazufer 24)
  • Kunst bei Gutekunst (Hauffstraße 16)
  • Kunst in der Scheune
  • Kunstverein Reutlingen Hans-Thoma-Gesellschaft (Rathausstraße 6)
  • Reutlinger Kunstkabinett Kraushaar (Nürtingerhofstraße 7)
  • Städtische Galerie (Eberhardstraße 14)
  • Werkstattgalerie (Georgenstraße 6)

Bauwerke

  • Kirchen:
    • Marienkirche (evang.), das Wahrzeichen der Stadt
    • Nikolaikirche (evang.)
    • St.-Wolfgangskirche
  • Neues Spital ("Volksbildungshaus")
  • Rathaus
  • Spendhaus
  • Stadtmauer mit Tübinger Tor, Gartentor und Zwinger
  • Landratsamt (ehemaliger Regierungssitz Württembergs)
  • Eisturm
  • Stadtmauerhäuser
  • Zwinger
  • Oberes Bollwerk
  • Gmindersdorf
  • Haus der Südwestmetall (ganz aus Metall gebaut)

Sonstige Sehenswürdigkeiten

  • Friedrich-List-Denkmal
  • Hermann-Kurz-Denkmal
  • Gerber- und Färberbrunnen
  • Kirchbrunnen
  • Lindenbrunnen
  • Marktbrunnen
  • Zunftbrunnen, mit Gravuren aller ehemaliger Zünfte in Reutlingen

Regelmäßige Veranstaltungen

  • Januar: Donnerstag nach dem Dreikönigsfest: Mutscheltag (s. u.)
  • September/Oktober: Weindorf Reutlinger Herbst
  • November/Dezember: Weihnachtsmarkt um die Marienkirche

Ehrenbürger

Die folgende Übersicht enthält alle Personen, die von der Stadt die Ehrenbürgerwürde verliehen bekamen. Die Auflistung erfolgt nach dem Zeitpunkt der Verleihung.

  • 1832: von Jäger, Finanzkammerdirektor von Reutlingen
  • 1854: Jetter, Oberpräzeptor
  • 1881: Dr. Ferdinand von Steinbeis, Präsident der Zentralstelle für Gewerbe und Handel in Stuttgart
  • 1884: Gustav Werner, Theologe und Gründer der nach ihm benannten Stiftung
  • 1892: Carl Julius von Benz, Oberbürgermeister a.D.
  • 1896: Präsident von Luz, Präsident der Kreisregierung Reutlingen
  • 1903: von Bellino, Präsident der Kreisregierung von Reutlingen
  • 1912: Friedrich von Payer, Kammerpräsident und Geheimrat
  • 1929: Gustav Groß, Fabrikant
  • 1929: Johannes Eisenlohr, Gemeinderat, Feuerwehrkommandant
  • 1929: Emil Hepp, Oberbürgermeister a.D.
  • 1946: Prof. Dr.-Ing. E.h. Otto Johannsen, Direktor des Technikums für Textilindustrie Reutlingen
  • 1949: Herbert Clark Hoover, Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika 1929-1933
  • 1952: Christian Knapp, Schulrat a.D.
  • 1953: Dr.-Ing. E.h. Emil Gminder, Geschäftsführer
  • 1954: Ernst Ziegler, Kunstsammler
  • 1973: Oskar Kalbfell, Oberbürgermeister a.D.
  • 1976: Paul Pillet, Bürgermeister der Partnerstadt Roanne/Loire
  • 1985: Karl Danzer, Firmengründer
  • 2001: Dr. Manfred Oechsle, Oberbürgermeister a.D.

Ehrenbürger der ehemaligen Gemeinde Ohmenhausen:

  • 1886: Dr. Christian Gottlob Erhard Bunz, Pfarrer

öhne und Töchter der Stadt

Die Liste enthält Personen, die in Reutlingen geboren sind. Ob sie später ihren Wirkungskreis in Reutlingen hatten oder nicht ist dabei unerheblich. Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollzähligkeit.

  • 1495, 24. Dezember, Matthäus Alber, † 2. Dezember 1570 in Blaubeuren: Reformator der Stadt
  • 1760, Johann Jakob Fetzer, † 1844: Bürgermeister, Schriftsteller
  • 1789, 6. August, Friedrich List, † 30. November 1846 in Kufstein: Volkswirtschaftler und Politiker; Eisenbahnpionier
  • 1813, 30. November, Hermann Kurz, † 10. Oktober 1873 in Tübingen: Dichter und Schriftsteller
  • 1876, 21. März, Ludwig Finckh, † 8. März 1964: Dichter und Erzähler
  • 1878, 7. September, Laura Schradin, † 8. März 1937: Politikerin
  • 1912, Helmut Lamparter, † 1991 in Tübingen: Pfarrer, Dichter ("Wie lange willst du mein vergessen")
  • 1945, 21. Mai, Ernst Messerschmid, Physiker und Astronaut

Ferner ist die Stadt Reutlingen untrennbar mit dem Wirken von Gustav Werner verbunden. Der Theologe gründete die später nach ihm benannte "Gustav-Werner-Stiftung zum Bruderhaus", die in Reutlingen ihren Sitz hat.

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